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Spaghetti, Tacos, Dates und Globalisierung

Was haben eigentlich Spaghetti, Tacos, Dates und Globalisierung gemeinsam? Um dies zu beantworten fangen wir am besten mit den Spaghetti und den Tacos an.

Spaghetti isst man in Italien und Tacos in Mexiko. In welcher Verbindung diese Spezialitäten zueinander stehen, das ist ganz einfach zu beantworten. Beim ersten Date mit einem Italiener bzw. einem Mexikaner sind diese auf keinen Fall zu bestellen. Und warum? Weil man dies auf jeden Fall bereuen wird.

Vor allem wenn die Spaghetti in einer flüssigen Tomatensauce schwimmen. Da bemüht sich frau die al dente Spaghetti um die Gabel zu zwirbeln, natürlich ohne Zuhilfenahme des Löffels, und in dem Moment, in dem man die Gabel zum Mund führt, entzwirbeln sich einige Spaghetti-Enden, prallen am Kinn auf und lassen die Tomatensauce auf unser sexy Outfit spritzen. Unser Gegenüber, ein geübter Spaghetti-Aufroller, findet das natürlich sehr süss, und meint dies passiere jedem einmal. Und hier ist der Haken, dass es uns eben nicht nur einmal passiert, sondern bis zum bitteren Ende so weitergeht. Am liebsten würde man die widerspenstigen endlos langen Pastafäden einfach klein schneiden und mit der Gabel in sich hinein schaufeln. Aber das ist noch schlimmer als sie mit Hilfe des Löffels auf die Gabel aufzurollen. Fazit: Spaghetti sind beim ersten Date eindeutig zu vermeiden.

Und nun zu den Tacos. Tacos ist eine beliebte mexikanische Spezialität, die von allen Mexikanern, ausnahmslos, immer und zu jeder Zeit gegessen werden. Das Problem dabei ist, dass man sie mit den Fingern isst. Und das ist am Anfang gar nicht so einfach. Der Taco besteht aus einer Tortilla (einem dünnen runden Fladen) und meist einer Fleischeinlage. Die Tortilla wird dann zu einem Halbmond zusammen geklappt und dieser wird dann mit zwei oder drei Fingern zum Mund geführt. Das Schwierige ist, den Taco so zu essen, dass der Inhalt nicht am anderen Ende herauskippt, oder noch schlimmer, die Sosse an der Hand Richtung Arm herunter läuft. Und wenn die Tortilla aus Mais ist, wie das meistens der Fall ist, dann kann sie zu allem Unglück auch noch aufweichen. Dies ist das Unangenehmste was einem passieren kann, weil dann nämlich der ganze Inhalt einfach rauspurzelt und ganz unappetittlich auf den Teller landet. Somit, würde ich als Taco-Neuling, lieber auf diese Nationalspeise verzichten, zumindest beim ersten Date.

Und was passiert, wenn der Italiener oder Mexikaner uns beim ersten Date ausgerechnet auf eine Spaghetti-Pomodoro oder Tacos einlädt? Es passiert einfach gar nichts, nur dass wir ein paar Schweissausbrüche und verlegene entschuldigende Blicke mehr in Kauf nehmen müssen und uns einfach ganz und gar nicht wie die Frau von Welt fühlen werden. Aber dies ist natürlich nicht ausschlaggebend für das Gelingen oder Nichtgelingen eines Dates, es ist einfach nur schrecklich unangenehm. Da sind spanische Tapas doch einfach die bessere Alternative: Ein kleiner mundgerechter Happen und schwupps verschwindet er ganz schnell in unserem Mund. Dabei fällt mir gerade ein, dass Sushi ebenso eine sehr gute Option ist: Kleine mundgerechte und leicht verdauliche Proteinbomben, einfach perfekt für das erste Date. Da kann ich einfach nur sagen: Es lebe die Globalisierung, zumindest kulinarisch gesehen.

Cla

!Ay caramba!

Die mexikanische Kolumne, die von Acapulco bis zu den Zapatisten reicht.

Erinnerungen meiner Anfänge

Wussten Sie, dass der Kaugummi angeblich eine mexikanische Erfindung ist und dass die Azteken mit Kakao bezahlt haben? Und dass die Version der dunkelhäutigen Jungfrau Maria mexikanisch ist und Guadalupe heisst? Ehrlich gesagt, hatte ich davon keinen blassen Schimmer, als ich als Austauschstudent in Mexiko ankam. Ich wusste sogar weniger als ein durchschnittlicher Pauschaltourist (das merkt man daran, dass ich nicht einmal wusste, dass Cancun in Mexiko liegt). Ich kam hier ziemlich blauäugig an. Den Spanisch-Kurs vor dem Austausch hatte ich nicht so richtig ernst genommen, mit der Folge, dass mein Spanisch noch nicht einmal dem Pauschaltouristen das Hemd reichen konnte. Ich konnte noch nicht einmal ein Bier auf Spanisch bestellen. Mexiko als Austauschland hatte ich meinem Unternehmensgeist zu verdanken, leider veranlasste mich letzterer nicht dazu meine 5-monatige Wahlheimat auszugooglen. Das einzige was ich recherchiert hatte, war, dass Mexiko geografisch zu Nordamerika zählt.

Und dann kamen wir, eine Freundin und ich, in Monterrey an. Eine Industriestadt, die in den USA liegen könnte: Von Kentucky Fried Chicken über Burger King und riesigen Kinobauten gab’s hier alles, was ein “Gringo” schon von klein auf kennt. Und zu Fuß ging dort schon mal gar nicht. Erstens gab es gar keine richtigen Gehwege, und wenn es die gab, dann waren sie von Baumwurzeln aufgebrochen. Und wenn es regnete, verwandelten sich die Strassen in Flüsse und Seen, und die SUV-Karren spritzten arme Fußgänger gnadenlos von oben bis unten mit schlammigen Wasserbrei voll. Vorfahrt hat in Mexiko grundsätzlich der Autofahrer. Und auch da gibt’s Unterschiede: Wer den dickeren Schlitten fährt hat doppelte Vorfahrt, und Busse nehmen sich grundsätzlich immer alle Vorfahrten raus. Und Busse gab es dort jede Menge, aber mit europäischem Standard kann man sie kaum vergleichen. Da springt man fast im Fahren auf, sucht verzweifelt nach ein paar Pesos in seiner Tasche, und wenn man sie dem Fahrer überreicht, muss man aufpassen, dass man nicht durch die offene Tür rauspurzelt. Ausserdem hatte ich den Eindruck, dass das Tempolimit grundsätzlich mit einer magischen drei multipliziert wurde, oder vielleicht waren die Strassenschilder ja ein Mindest-Tempolimit in Monterrey? Habe ich leider nie rausgekriegt, da die Polizei die magische drei auch zutiefst zu schätzen schien. Jedenfalls schaukelten die oberhalb der Windschutzscheibe befestigten Heiligen ziemlich hilflos und wild herum. Die Armen, in Deutschland führen sie in der Kirche ganz still und stumm ein friedlicheres Leben. Ist aber wahrscheinlich auch viel langweiliger, außer sie hängen im Beichtstuhl. Wir hatten zumindest aus unserer Buserfahrung die Konsequenzen gezogen und sind somit täglich mit dem Taxi zur Uni gefahren, war zwar nicht viel ungefährlicher, und die Heiligen hingen auch hier baumelnd und schon ganz grün im Gesicht am Rückspiegel, aber es war die schnellere Fortbewegungsalternative. Wussten Sie, dass man den Gangschalterknüppel zur Jesus-Ikone umdekorieren kann? Und blinkende Lichtergirlanden um das Nummernschild herum waren auch der Brenner. Und eine gute Möglichkeit seine Autositze zu schonen, ist ihnen ein Fussballshirt überzuziehen. Da weiss man dann auch gleich, welchem Verein der Taxifahrer zugeneigt ist, hilft beim Small-Talk. Der Kreativität des Bus- und Taxifahrers sind in Mexiko jedenfalls keine Grenzen bewusst. A propos Small-Talk: Mexiko ist das Land des Small-Talks. Der Taxifahrer quasselt einen zu, ob man nun Spanisch kann oder nicht, die Sprachbarriere ist hier kein Grund zum Schweigen. Das bekannte deutsche Gesellschaftsschweigen trotz gleicher Sprache ist mexikanischen Taxifahrern ein unbekanntes und glaube ich unverständliches Phänomen. Und wenn wir dann mal „gerade aus“ mit rechts abbiegen verwechselt hatten, war das auch nicht schlimm, ganz im Gegenteil, da bekamen wir den Taxi-Sprach-Crash-Kurs im Fahrpreis inklusive mit: gerade aus (todo derecho), rechts (a la derecha) und links (a la izquierda). Ay caramba! War eigentlich gar nicht so schwer. Viva Mexico!

Cla